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Vision Zero ist möglich!

Vision Zero ist möglich!

"Vision Zero: Eine Welt ohne tödliche oder schwere Arbeitsunfälle ist möglich!" Unter diesem Motto stand der XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vom 24. – 27. August 2014 in Frankfurt/Main. Rund 3.980 Arbeitsschutzexperten, Politiker und Wissenschaftler aus 143 Ländern diskutierten über Wege, Arbeit sicher und gesund zu machen. Im Fokus des Kongresses standen die Themen ´Präventionskultur – Präventionsstrategien – Vision Zero´, ´Herausforderungen für die Gesundheit bei der Arbeit´ sowie ´Vielfalt in der Arbeitswelt´. Veranstaltet wird der Kongress alle drei Jahre von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (ISSA). Gastgeber war in diesem Jahr die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).

Anlässlich des Weltkongresses legte die DGUV eine aktuelle Jahresbilanz der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen für 2013 vor. Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Deutschland 874.514 meldepflichtige Arbeitsunfälle; 455 davon endeten tödlich. Die Rate der meldepflichtigen Unfälle je 1.000 Vollarbeiter betrug 22,5. Insgesamt gaben Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 9,6 Mrd. Euro für Rehabilitation und Renten in 2003 aus.  Laut ILO verlieren weltweit jedes Jahr 2,3 Millionen Menschen ihr Leben durch arbeitsbedingte Krankheiten und Arbeitsunfälle. Hinzu kommen rund 860.000 Arbeitsunfälle mit Verletzungsfolgen – jeden Tag.

Die direkten und indirekten Folgekosten von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen schätzt die ILO auf 2,8 Billionen Dollar weltweit. „Diese Zahlen sind nicht hinnehmbar. Es bleibt viel zu tun. Schwere Arbeitsunfälle sind vor allem menschliche Tragödien, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft zahlen einen hohen Preis dafür“, sagte der ILO-Generaldirektor Guy Ryder. „Das Recht auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein grundlegendes Menschenrecht – ein Recht, das auf jedem Niveau der Entwicklung und unter unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen zu achten ist. Dieses Menschenrecht zu achten ist eine Pflicht – und eine Voraussetzung für nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Prävention ist möglich, notwendig und lohnt sich.“, betonte der ILO-Generaldirektor.

Ähnlich äußerte sich die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles (SPD). „Körperliche Unversehrtheit ist keine Frage der Rendite, sondern ein Menschenrecht“mahnte sie in ihrer Eröffnungsrede. Die Bundesministerin machte deutlich, dass allen Verantwortlichen klar sein müsse, dass Arbeitssicherheit in Wirklichkeit Wettbewerbsvorteile bringe. „Körperliche Unversehrtheit ist jedoch nicht allein eine Frage der Rendite, sondern in erster Linie ein Menschenrecht“, sagte Andrea Nahles auch mit Blick auf verheerende Unglücke in Schwellenländern, in denen die reicheren Staaten produzieren lassen. Die Ministerin sieht hier auch die Unternehmen in der Pflicht. „Die Industrieländer müssen mehr für den Schutz von Arbeitnehmern weltweit tun und dürften nicht von den schlechten Arbeitsbedingungen in anderen Ländern profitieren“, forderte Nahles. “ Allen Verantwortlichen müsse klargemacht werden, dass Arbeitssicherheit in Wirklichkeit Wettbewerbsvorteile bringe. Abschließend sprach die Ministerin den Verbrauchern ins Gewissen: „Es kann uns nicht egal sein, dass in anderen Ländern Menschen sterben, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, und wir die Billigprodukte ohne darüber nachzudenken konsumieren.“ Es geht um einen globalen Kulturwandel im Arbeitsschutz.

Arbeitsschutz in Deutschland gestalten

Auf nationaler Ebene bleibt in Sachen Arbeitsschutz auch zukünftig viel zu tun. Laut einer aktuellen Anfrage im Deutschen Bundestag steigen die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) durch Psychische und Verhaltensstörung in den letzten Jahren dramatisch an. Im Jahr 2012 wurden knapp 2 Mio. Arbeitsunfähigkeitsfälle registriert. Die Ausfallzeiten beliefen sich insgesamt auf rd. 62 Mio. Arbeitstage. Die Ausfallzeit betrug je Fall durchschnittlich 32,17 Arbeitstage. Der Anteil der AU-Tage durch Psychische und Verhaltensstörungen an allen Diagnosegruppen betrug 15,5 Prozent in 2012 (BT-Drucksache 18/2291).  Die beunruhigenden Zahlen zeigen, dass ein dringender Handlungsbedarf besteht, so der ver.di-Arbeitsschutzexperte Dr. Horst Riesenberg-Mordeja. Der Gesetzgeber muss dringend hinreichende konkrete  Gestaltungsanforderungen in diesem Bereich, z.B. in Form für eine eigenständige Verordnung, formulieren. Diese müssen klare Handlungsaufforderungen an den Arbeitgeber enthalten, welche ihm ein rechtsicheres Handeln, z.B. bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung, ermöglichen. Auf dem XX. Weltkongress informierte Dr. Horst Riesenberg-Mordeja mit einer Poster-Präsentation über Berufskrankheitsrisiken und über den Handlungsbedarf zur Reduzierung psychischer Gefährdungen in der Arbeitsschutzausstellung.

Darüber hinaus war ver.di an vielen Stellen in Frankfurt gut vertreten, so waren Haupt- und ehrenamtliche Kollegen und Kolleginnen als Ansprechpartner/innen am DGB-Gewerkschaftsstand ständig aktiv im Einsatz. Die aktuelle ver.di-Ratgeber-Broschüre zum Mutterschutz präsentiert leicht verständlich das geltende Gesetz sowie den politischen Reformbedarf für eine gefährdungsfreie Beschäftigung schwangerer Arbeitnehmerinnen.

Weitere Informationen zum XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit https://arbeitsmarkt-und-sozialpolitik.verdi.de/ueber-uns/nachrichten/++co++8aed3c4a-336f-11e4-a23f-525400248a66.